Tagtägliches

In dem Jugendbuch “Die Zeit der schlafenden Hunde“, verfasst von Mirjam Pressler, geht es im fünften Kapitel, um Johanna, die fünf Tagen nach der Beerdigung ihres Großvaters Erhard Riemenschneider wieder zur Schule geht. Sie erinnert sich an die alten Zeiten mit ihrem Großvater und an ihrem Aufenthalt in Israel.

Es ist Herbst und Johanna besucht zum ersten Mal nach der Beerdigung die Schule.
Sie denkt darüber nach, wie ihr Großvater sie früher an ihrem ersten Schultag am Gymnasium zur Schule gebracht hat, wie er mit seinem dunkelblauen Mercedes, seiner Paradeuniform so stolz auf seine Enkelin war , das sie die erste ist, die ein Gymnasium besucht.
Ihr Freund Daniel wartet auf Johanna vor der Schule.
Er umarmt sie leicht, da Johanna es nicht mag, dass man Zärtlichkeit in der Öffentlichkeit zur Schau stellt.
Sie redet sich ein, dass sie die Sache mit Doron vergessen müsse.
Daniel lässt sie gar nicht zu Wort kommen und erzählt, wie es bei der Beerdigung seiner Oma war, er ist fürsorglich und möchte Johanna helfen.
Vor dem Geschichtsunterricht, denkt sie daran, wie sie in Jerusalem im Ticho-Haus zur Toilette gelaufen ist und gewürgt hat.
Sie hat wieder den Geruch davon in der Nase, sie rennt zur Toilette und bricht alle Erinnerungen aus.
Ihr Gesicht ist blass und fremd, wie sie als Mädchen in Jerusalem war, der Sommer liegt noch vor ihr und ihr Großvater, der verdammte „Nazi“, lebt weit weg in Deutschland und hat keine Ahnung, was Meta Levin gerade über ihn gesagt hat.
Sie hat in Israel gesagt, dass Unrecht nicht gut gedeihen würde.
In der Klasse sieht sie ihre Mitschüler, die auch in Jerusalem waren, die alles wissen, denn Frau Fachinger hat gesagt, man solle es ihnen erzählen. Sie fühlt sich schuldig, dabei hat sie mit der Arisierung nichts zu tun.
Frau Fachinger spricht ihr Beileid aus.
Johanna sitzt neben Melanie, neben der sie immer sitzt.
Seit der achten Klasse hat sie keine richtige Freundin mehr.
Und wieder erinnert sie sich an Frau Levin, wie sie dort gesessen hat und für einen Moment nicht die wohlbehütete Tochter und Enkelin war. Meta Levin hat gesagt, sie wolle nichts mehr mit so einem „Nazi“ zu tun haben. Damit hat sie Johannas Großvater Erhard Riemenschneider gemeint.

Seite 69 bis 83