Winzer/in

Was macht ein/e Winzer/in?

Der Beruf des/r Winzer/in gehört zur Gruppe der landwirtschaftlichen Berufe. Winzer/innen beschäftigen sich mit Anbau, Ernte und Verarbeitung, der Lagerung, der Präsentation und auch der Vermarktung des qualitativ hochwertigen Nahrungs- und Genussmittels Wein sowie Sekt und Traubensaft. Sie arbeiten auf Weingütern und in Kellereibetrieben, wo sie für den gesamten Herstellungsprozess vom Anbau der Traube bis zur abgefüllten und etikettierten Flasche und deren Verkauf verantwortlich sind. Ein "grüner" Daumen und ein gut ausgebildeter Geschmackssinn sind für den/die Winzer/in unabdingbar. Zu den Hauptaufgaben eines/r Winzers/in gehören:

  • Bearbeiten des Bodens von Weinbergen und Rebgärten
  • Setzen von Jungpflanzen inklusive Auswahl der geeigneten Rebsorte
  • Pflege der Weinstöcke
  • Bekämpfen von Unkraut und Schädlingen
  • Ernten, Lesen und Keltern der Trauben - von Hand, aber auch maschinell
  • Pressen und Filtern der Trauben in technischen Anlagen
  • Überwachen und Steuern des Gärungsprozesses
  • Abfüllen des Rebensaftes aus Tanks oder Fässern in Flaschen
  • Etikettieren und versandfertiges Verpacken der Flaschen
  • Ausschank der Weine in der Weinstube, Verkauf im Hofladen
  • Vermarktung des Produktes, u.a. durch Verköstigungen, Weinproben
  • Werbung und Kundenberatung
  • Verwaltungs- und Abrechnungsarbeiten
  • Wartung und Instandhaltung der verwendeten Geräte und Anlagen

Wo arbeitet ein/e Winzer/in?

  • Weingüter - Traubenerzeugung
  • Weinkellereien - Traubenveredelung
  • Genossenschaften
  • Supermarktketten - Einkauf
  • Selbständigkeit - Betreiben eines eigenen Weinguts

Wie werde ich Winzer/in?

Der Beruf des/r Winzers/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz und dem Berufsfeld Agrarwirtschaft, Pflanzlicher Bereich zugeordnet. Er wird ohne Spezialisierung in Weinbau- oder Kellerwirtschaftsbetrieben ausgebildet. Die bundesweit einheitlich geregelte Ausbildung dauert 3 Jahre, sie erfolgt dual im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule. Diese findet oft im Blockunterricht statt - zum Beispiel in Heilbronn für die Länder Baden-Württemberg, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Als Voraussetzung ist mindestens ein Hauptschulabschluss notwendig. Ein guter Realschulabschluss, u. a. in den Fächern Mathematik, Biologie und Chemie, verbessert spätere Aufstiegschancen.

Im Jahr 2006 begannen 320 zukünftige Winzer/innen ihre Ausbildung. 35 Prozent von ihnen verfügten über einen mittleren Bildungsabschluss, 33 Prozent über den Hauptschulabschluss. Die Hochschulreife besaßen 27 Prozent. Der Schwerpunkt der Ausbildungsbetriebe liegt in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es u.a. zum/r Winzer- oder Kellermeister/in, zum/r staatlich geprüften Techniker/in - Weinbau und Kellerwirtschaft oder zum/r Betriebswirt/in - Agrarbetrieb sowie zum/r Wirtschafter/in - Weinbau.

Bei Erfüllung der Zugangsvoraussetzungen kann ein Studium angestrebt werden, z. B. zum/r Ingenieur/in - Weinbau oder Brauwesen und Getränketechnologie, oder zum/r Ingenieur/in - Agrarwirtschaft. Winzer/innen ohne Abitur müssen dieses dazu meistens auf dem zweiten Bildungsweg nachholen.

Was verdient ein/e Winzer/in?

  • Das Einkommen schwankt nach Erfahrung, Kompetenz und Größe des Betriebes - außerdem werden Berufserfahrung, Lebensalter und Verantwortlichkeit berücksichtigt, auch die Region ist entscheidend
  • Nach der Ausbildung erhält ein/e Winzer/in nach Tarif 1.530 - 1.870 €
  • Winzermeister/in monatliches Bruttogrundgehalt 2.144 - 2.374 €
  • Ingenieur/in - Weinbau tariflich monatlich (Tarif Bayern) 2.643 - 3.313 €

Trends und voraussichtliche Entwicklungen am Arbeitsmarkt:

Gute Aussichten

  • Im Gegensatz zum Bierkonsum steigt der Weinverbrauch. Klimawandel und Ökoanbau fördern das Interesse an entsprechenden Fachkräften, die auch international gefragt sind
  • Trend ist der Präzisionsweinbau - Positionierung genauer Anbauflächen und -methoden dank GPS und anderer moderne Navigationssysteme
  • Der Bestand an Beschäftigungsverhältnissen hat sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt - bei stetig sinkenden Arbeitslosenzahlen

Wie kann ich schon jetzt Einblick in den Beruf erhalten?

Ein Besuch in den deutschen Weinanbaugebieten, verbunden mit einer Führung durch eine Kellerei, ermöglicht einen ersten Einblick in den Beruf. Natürlich darf dann auch eine Weinprobe dabei sein - die passende Lokalität dafür bietet fast jedes Weingut - und auch einen Hofladen mit eigenen Produkten. Ein Praktikum beim Weingroßhändler oder auf einem Weingut gibt weitere Eindrücke. Wenn man selbst einen Biobiotrieb bevorzugen würde, sollte man sich bewusst dafür entscheiden.

Auch ein Ferienjob im Weinhandel oder im Spätsommer/in den Herbstferien bei der Weinlese in den Anbaugebieten vermittelt erste Eindrücke und bringt etwas Taschengeld. Tüchtige saisonale Erntehelfer werden immer gebraucht und schnell angelernt. Für Unterkunft ist meistens gesorgt - nicht immer bequem, aber ein Erlebnis.

Stand: September 2008