Maßschneider/in

Was macht ein/e Maßschneider/in?

Maßschneider fertigen in Maßarbeit individuelle Kleidungsstücke nach eigenen Entwürfen oder nach den Wünschen ihrer Kundinnen und Kunden an. Dazu gehören Kostüme, Anzüge, Kleider, Hosen, Röcke oder auch Abendgarderobe, die mit unterschiedlichen Verarbeitungstechniken hergestellt werden.

Sie beraten ihre Kunden bei der Auswahl von Stoffen, Farben und Accessoires wie Knöpfe, Ösen, Haken, Schleifen oder Reißverschlüsse und entwickeln dafür Entwürfe, meistens mit Hilfe von Computerprogrammen, die auch das Schnittmuster erstellen. Für das Nähen benutzen sie Nähmaschinen, manchmal ist Handarbeit erforderlich. Beim Maß nehmen und bei der Anprobe haben sie engen Kontakt mit den Kunden, die ihren Service und ihre Dienstleistung oft mit vielen Fragen in Anspruch nehmen. Modetrends, Messeneuheiten und Aktuelles von den Modeschauen - die Maßschneider/innen sind immer informiert. Dabei hat ihr Handwerk Tradition, bereits im 12. Jahrhundert wurde die erste Schneiderzunft gegründet, die mit der Industriealisierung im 19. Jahrhundert große Konkurrenz bekam und sich deshalb auf individuelle Anfertigungen konzentrierte.

Der Beruf wird in den folgenden zwei Schwerpunkten ausgebildet:

  • Damen
  • Herren

Die neue Ausbildungsverordnung trat 2004 in Kraft und löste die Ausbildungsberufe Damenschneider/in, Herrenschneider/in und Wäscheschneider/in ab.

Zu den Hauptaufgaben eines/r Maßschneiders/in gehören:

  • Kunden beraten bei Stoffauswahl und Schnitten
  • Schnitte nach Kundenwünschen oder eigenen Ideen anfertigen
  • Maß nehmen, Festlegen der Längen- und Proportionsmaße
  • Schnittschablonen herstellen und mustergerechte Teile zuschneiden
  • Kleidungsstücke anfertigen: Nähte schließen, Abnäher annähen, Ärmel, Kragen, Taschen und Bunde einsetzen, Futter einnähen, Säume nähen, Verschlüsse einarbeiten, Knopflöcher einarbeiten
  • Anprobe mit dem Kunden und Änderungen bzw. Korrekturen vornehmen
  • Letzte Anprobe und abschließende Näharbeiten
  • Verzierungen anbringen
  • Fertiggestelltes Kleidungsstück bügeln
  • Kleidungsstücke nach Kundenwünschen ändern und reparieren

Wo arbeitet ein/e Maßschneider/in?

  • Handwerkliche Maßschneidereien und Änderungsschneidereien
  • Industriebetriebe für Bekleidung
  • Modehäuser mit Änderungsdienst
  • Kostümabteilungen von Theatern, Filmstudios und Fernsehanstalten

Wie werde ich Maßschneider/in?

Der Beruf Maßschneider/in gehört zur Gruppe der Textilberufe und ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach der Handwerksordnung. Die Ausbildung ist bundesweit geregelt, sie wird im Handwerk in zwei Schwerpunkten ausgebildet:

  • Damen
  • Herren

Die Ausbildung erfolgt dual im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule, sie dauert 3 Jahre.

Auch eine schulische Ausbildung ist möglich.

Zugangsbeschränkungen gibt es offiziell nicht, die Betriebe stellen zunehmend Auszubildende mit Hochschulreife ein. Im Jahr 2006 waren das 34 Prozent der angehenden Maßschneider/innen, aber auch mit mittlerem Abschluss (29 Prozent) und mit Hauptschulabschluss (26 Prozent) gibt es viele Auszubilden. Rund 4 Prozent waren im Jahr 2006 ohne Abschluss.

Günstig sind gute Noten in den Fächern Textiles Gestalten/Handarbeit, Kunst und Mathematik. Zum Teil wird für den Zugang eine berufliche Grundbildung im Bereich Bekleidungstechnik gewünscht.

Die Schulen legen eigene Zugangskriterien fest, die unterschiedlich sind. Meistens wird ein Hauptschulabschluss und die Teilnahme am Auswahlverfahren vorausgesetzt.

Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es als Damen- und Herrenschneidermeister/in oder Industriemeister/in Fachrichtung Textilwirtschaft.

Auch ein Abschluss als staatlich geprüfte/r Techniker/in Fachrichtung Bekleidungstechnik bietet sich an.

Daneben kann man sich weiterbilden zum/r staatlich geprüften Modedesigner/in, zum/r Schnitt-, Entwurfs- und Fertigungsmodelleur/direktrice oder zum/r Gewandmeister/in an Theatern und bei Filmstudios. Diese Möglichkeiten stehen allen Maßschneidern/innen offen.

Zum anderen kann ein Studium angestrebt werden, z. B. zum/r Designer/in für Modedesign oder Textildesign, zum/r Kostümbildner/in oder zum/r Ingenieur/in für Bekleidungstechnik. Maßschneider/innen ohne Abitur müssen dieses dann meistens auf dem zweiten Bildungsweg nachholen.

Was verdient ein/e Maßschneider/in?

  • Angestellt: tarifliche monatliche Bruttogrundvergütung 1.726 €
  • Angestellt: Damen- und Herrenschneidermeister/innen 2.292 - 3.053 €

Trends und voraussichtliche Entwicklungen am Arbeitsmarkt:

Schlechte Aussichten

  • Der Bestand an Arbeitsplätzen ist seit 1999 um über 30 Prozent zurück gegangen, über 5000 Arbeitsplätze gingen verloren
  • Die Arbeitslosenquote ist extrem hoch, lag im Jahr 2006 bei fast 50 Prozent - seitdem ist sie gesunken, der Trend bleibt aber eindeutig
  • Maßschneider/innen haben nur dann eine Chance, wenn Sie sich auf individuelle, gestylte oder luxuriöse Einzelstücke spezialisieren
  • Der Trend: Body-Scanner ersetzen immer öfter das traditionelle Maßband und ermitteln in wenigen Sekunden die exakten Körpermaße des Kunden
  • High-Tech-Verfahren halten auch in diesem traditionellen Handwerk immer mehr Einzug - um so wichtiger wird die Beratung von Kunden

Wie kann ich schon jetzt einen Einblick in diesen Beruf erhalten?

Große Kaufhäuser bieten Änderungsdienste direkt auf der Etage für Herren- oder Damenbekleidung, hier kann man die Schneider/innen bei Ihrer Arbeit beobachten. Viele Änderungsschneidereien befinden sich ebenfalls in Ladenlokalen, bei denen man schon eine Menge beim Blick durch das Schaufenster mitbekommt.

Fragen Sie nach Praktikumsmöglichkeiten, in der Regel nimmt man Sie gerne in den Ferien. Aushilfsjobs sind in der Branche dagegen selten, die bekommt man eher beim Bügel in Wäschereien. Eine gute Möglichkeit ist ein Ferienjob im Verkauf in großen Warenhausketten. Hier kann man auch mal in die Abteilung "Änderungsschneiderei" schauen und die Mitarbeiter/innen dort befragen. Ebenso Jobs bieten Theaterhäuser oder Festivaltheater im Sommer als Ankleider/in. Diese kümmern sich um Waschen, Bügeln und Reparieren der Bühnengarderobe der Schauspieler/innen.

Gibt es in Ihrem Bekanntenkreis eine/n Maßschneider/in? Arbeitet vielleicht der Vater oder die Mutter eines Klassenkameraden in diesem Beruf? Lassen Sie sich die Telefonnummer geben. Vielleicht können Sie ihn/sie einmal am Arbeitsplatz besuchen!

Stand: Oktober 2008