Klavier- und Cembalobauer/in

Was macht ein/e Klavier- und Cembalobauer/in ?

Klavier- und Cembalobauer/innen üben mit dem Bau dieser Musikinstrumente ein altes Handwerk aus. Das Cembalo wurde im 15. Jahrhundert entwickelt, zusammen mit dem Spinett, die Saiten werden mittels eines Kiels gezupft. Das erste Klavier mit Hammermechanik wird auf 1709 datiert. Diese Technik ermöglicht es, die Lautstärke beim Spiel mit einzubeziehen. Während das erste Klavier noch 4 Oktaven umfasste, haben heutige Klaviere 7 bis sogar 8 Oktaven und eine Saitenspannung von mehreren Tonnen. Die Grundkonstruktion ist gleich geblieben, die Instrumentenkörper werden aus verschiedenen Hölzern gefertigt, das Innenleben aus Stahl, Messing, Leder und anderen Materialien. In Präzisionsarbeit entsteht eine komplizierte Mechanik, bis zu 10.000 Einzelteile gehören dazu.

Der Beruf Klavier- und Cembalobauer/in wird in zwei Fachrichtungen angeboten:

  • Klavierbauer/in
  • Cembalobauer/in

Klavier- und Cembalobauer/innen der Fachrichtung Klavierbau stellen Pianos und Flügel her. Außerdem reparieren, restaurieren und stimmen sie ältere Klaviere. Klavierbauer/innen müssen über ein intaktes Gehör und allgemein gute Sinne sowie über Musikalität verfügen. Sehr gutes Klavierspiel ist keine unbedingte Voraussetzung für die Ausübung des Berufs, aber natürlich auf jeden Fall von großem Vorteil.

Wo arbeitet ein/e Klavier- und Cembalobauer/in?

  • Klavierbauerwerkstätten
  • Kleinere bis mittlere Industriebetriebe des Instrumentenbaus
  • Opern- und Konzerthäuser
  • Musikschulen und Konservatorien
  • Museen für historische Musikinstrumente
  • Instrumentenfachhandel

Wie werde ich Klavier- und Cembalobauer/in?

Klavier- und Cembalobauer/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz und der Handwerksordnung. Er ist keinem Berufsfeld zugeordnet. Die Berufsausbildung ist bundesweit geregelt und wird in Industrie und Handwerk zwei Fachrichtungen angeboten:

  • Klavierbau
  • Cembalobau

Die Ausbildung erfolgt dual im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule, sie dauert 3 1/2 Jahre.

Die Betriebe im Handwerk stellen zu gleichen Teilen angehende Klavierbauer/innen mit mittlerem Abschluss und mit Hochschulreife ein, diese hatten jeweils 41 Prozent im Jahr 2006, 18 Prozent der Berufseinsteiger/innen hatten einen Hauptschulabschluss.

In Industrie und Handel hat die Mehrzahl von 46 Prozent die mittlere Reife, 8 Prozent haben den Hauptschulabschluss, weitere 8 Prozent haben ein Berufsvorbereitungsjahr absolviert.

Wichtig sind für alle gute Noten in den Fächern Werken/Technik, Mathematik, Physik und Musik. Förderlich ist darüber hinaus, wenn man gut Klavierspielen kann und ein gut ausgebildetes Gehört mitbringt.

Nach der neuen Handwerksordnung ist Klavier- und Cembalobau ein zulassungsfreies Handwerk, das heißt, Klavier- und Cembalobauer/innen der Fachrichtung Klavierbau können sich als Geselle bzw. Gesellin auch ohne langjährige Berufserfahrung mit einem eigenen Betrieb selbstständig machen.

Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es zum/r Klavier- und Cembalobauermeister/in oder auch zum Industriemeister/in der Fachrichtung Holz. Als sonstige Aufstiegsweiterbildung kommt ein Betriebsassistent im Handwerk in Frage.

Auch ein Studium der Fachrichtung Musikinstrumentenbau kann angestrebt werden. Bewerber/innen ohne Abitur müssen dieses dann meistens auf dem zweiten Bildungsweg nachholen.

Was verdient ein/e Klavier- und Cembalobauer/in?

  • Das Einkommen ist wesentlich von den jeweiligen Anforderungen abhängig, Berufserfahrung, Region und Branche spielen eine Rolle
  • Angestellt: tariflicher monatlicher Bruttoverdienst 2.160 - 2.400 €
  • Angestellt Klavier- und Cembalobauermeister/in 2.747 - 3.233 €

Trends und voraussichtliche Entwicklungen am Arbeitsmarkt:

Mittelmäßige Aussichten

  • Die Produktion der Instrumente verlagert sich zunehmend ins Ausland
  • "Hausmusik" ist Dank Casting-Shows zwar wieder angesagt, beliebter sind jedoch elektronisch regulierbare Instrumente wie Key-Boards und E-Gitarren, auch Schlagwerke, die man laut und leise stellen kann
  • Die Zahl der Instrumentenbauer/innen geht seit Jahren zurück
  • Die Zahl der alten Instrumente in den Haushalten nimmt zu, auch durch Erbschaften, damit auch der Bedarf an Wartung und Pflege
  • Der Besitz und das Spielen von Flügeln und Klavieren wird zunehmend zu einem Statussymbol, Musikinstrumentenbau wird immer gefragt sein

Wie kann ich schon jetzt einen Einblick in diesen Beruf erhalten?

Spielen Sie selbst Klavier oder ein anderes Instrument und haben Sie Freude an Musik? Sind Sie außerdem handwerklich begabt und arbeiten gerne mit Holz?

Sonst probieren Sie es einfach mal aus, auch im Werkunterricht an Ihrer Schule.

Besuchen Sie ein Klavierkonzert oder ein Konzert mit alten Instrumenten. Viele Orchester bieten "Schnuppertage" an, an denen die Instrumente aus der Nähe erklärt werden.

Das gleiche gilt für Jugendmusikschulen. Hier kann man die Instrumente auch ausprobieren und Unterricht nehmen. An den öffentlichen Jugendmusikschulen ist dies staatlich gefördert und deshalb gar nicht teuer.

In Musikinstrumenten-Museen und historischen Instrumentensammlungen gibt es regelmäßig Veranstaltungen, Demonstrationen und Konzerte. Dann wird auch das Innenleben und die Technik des Instruments vorgestellt. Besuchen Sie eine solche Veranstaltung, zum Beispiel im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg.

Besuchen Sie eine Musikalienhandlung und lassen Sie sich dort ein Klavier oder ein Cembalo vorführen.

Stand: Oktober 2008