Erzieher/in

Was macht ein/e Erzieher/in?

Erzieher/innen fördern, erziehen und betreuen Kinder und Jugendliche vom Babyalter bis zum jungen Erwachsenen. Sie sind in der Frühpädagogik in Kindergärten und Vorschulen, in der Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Heimerziehung tätig.

Ihre Arbeit erfordert oft Geduld, Toleranz, Teamfähigkeit, Weitblick sowie körperliche und emotionale Stabilität, denn jedes Kind und jede/r Jugendliche entwickelt sich in dem ihm/ihr eigenen Tempo. Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist wichtig, Elterngespräche sind Teil der Aufgabe. Auch interkulturelle Kompetenzen müssen sie mit-bringen, denn immer mehr Kinder haben einen Migrationshintergrund und müssen die deutsche Sprache erst noch lernen.

Zu den Hauptaufgaben eines/r Erziehers/in gehören:

  • Verhalten und Befinden der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen beobachten, analysieren, beurteilen und geeignete Maßnahmen auswählen
  • Erziehungspläne erstellen, Angebote und Projekte auswählen
  • Materialien für Lernen, Spielen, Sport und Freizeit beschaffen und vorbereiten
  • Musisch-künstlerische Förderung, zum Beispiel mit Farbe, Ton, Schaum, Werkstoffen etc. und gemeinsames Singen und Musizieren
  • Lern- und soziale Prozesse fördern durch Bewegung, Naturerfahrung, Vorschularbeit, naturwissenschaftliche Experimente, Kochen, Backen, Rollenspiele, Vorlesen, Sprach-Spiele, Werken, Entspannungstechniken etc.
  • Feste, Feiern und Aufführungen vorbereiten und begleiten
  • Ausflüge, Reisen, Freizeiten begleiten und vor Ort das Programm gestalten
  • Übergänge von der Krippe in den Kindergarten, von der Vorschule in die Schule und ins Berufsleben vorbereiten und individuell begleiten
  • Ruhe- und Schlafenszeiten überwachen, Hilfs- und Pflegemittel zusammenstellen und reinigen, bei der Körperpflege unterstützen und anleiten, zum Beispiel beim Zähneputzen, wickeln und baden, beim An-und Ausziehen helfen
  • Trösten und Zuhören, auch bei den Eltern
  • Elterngespräche und Elternabende vorbereiten und durchführen
  • Zusammenarbeit mit Logopäden, Ergotherapeuten, sozialen Diensten etc.
  • Dokumentation der Einzelfallentwicklungen und Gutachten erstellen

Wo arbeitet ein/e Erzieher/in?

  • Kindergärten, Kindertagesstätten, Kinderkrippen
  • Horte und Tageseinrichtungen
  • Erziehungs- und Jugendwohnheime
  • Jugendzentren
  • Wohnheime für Menschen mit Beeinträchtigungen
  • Kinderkliniken
  • Kirchlich-religiöse Einrichtungen der Kinderbetreuung
  • Grund- und Sonderschulen, Internate
  • Jugendorganisationen und Interessenvertretungen
  • Erholungs-, Ferien- , und Freizeitheime
  • Familienberatungs- und Suchtberatungsstellen

Wie werde ich Erzieher/in?

Der Beruf Erzieher/in gehört zur Gruppe der pädagogischen Berufe. Die Ausbildung ist eine landesrechtlich geregelte schulische Ausbildung bzw. Weiterbildung an Fachschulen, Berufsfachschulen, Berufskollegs oder Bildungseinrichtungen. Die Aus- bzw. Weiterbildung dauert zwischen zwei und vier Jahren und schließt mehrere Praktikumsphasen mit ein.

Darüber hinaus bieten immer mehr Hochschulen Bachelor- und Masterstudiengänge im Bereich Frühpädagogik für Erzieher/innen an. Langfristig wird die akademische Ausbildung zunehmen, auch der Bedarf an akademisch ausgebildeten Fachkräften.

Die beruflichen Voraussetzungen sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. In der Regel wird ein mittlerer Bildungsabschluss vorausgesetzt. Auch ein Hauptschulabschluss mit einer anschließenden Berufsausbildung ermöglicht den Zugang.

Die Schulen führen Auswahlverfahren mit schriftlicher Bewerbung und einem persönlichen Gespräch durch. Art und Umfang der beruflichen Vorpraxis sowie bereits geleistete Praktika spielen dabei eine große Rolle, auch schulische Leistungen. Außerdem müssen die Voraussetzungen laut Infektionsschutzgesetz erfüllt sein.

Nach der Ausbildung gibt es sehr viele Qualifizierungslehrgänge, zum Beispiel in den Bereichen frühkindliches Forschen und entdeckendes Lernen, Musik, Kunst, Theater, Sport und Freizeit oder im Bereich Elternberatung. Die ständige Weiterbildung wird von vielen Arbeitgebern vorausgesetzt.

Aufstiegsweiterbildungen gibt es zum Beispiel zum/r Heilerzieher/in, Motopäden/in oder Fachwirt/in für Erziehungswesen.

Auch ein Hochschulstudium im pädagogischen Bereich, zum Beispiel als Sozialarbeiter/in oder Heilpädagoge/in, ist möglich - die Studienangebote nehmen mit dem Bedarf ständig zu. Ohne Abitur muss dieses dann meistens auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt werden.

Was verdient ein/e Erzieher/in?

  • Angestellt: monatliches tarifliches Bruttoentgelt 2.072 - 2.866 €

Trends und voraussichtliche Entwicklungen am Arbeitsmarkt:

Gute Aussichten

  • Die Bundesregierung fördert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit Elterngeld und dem Ausbau von Krippenplätzen, dadurch wird der Bedarf an gut ausgebildeten Erziehern/innen in den nächsten Jahren enorm steigen
  • Ganztagsschulen sind weitere neue Einsatzgebiete für Erzieher/innen
  • Die Pisa-Studie zeigt die Lücken im Bildungssystem. Die Anforderungen sind enorm gestiegen, besonders in der Frühpädagogik - langfristig wird die Ausbildung mit einem akademischen Grad an (Fach)Hochschulen aufgewertet - so wie es in anderen Ländern lange schon üblich ist - mit großen Veränderungen müssen Erzieher/innen rechnen
  • Seit 2007 bieten bereits 24 deutsche Hochschule Bachelor- und Masterstudiengänge im Bereich Vorschul- und Frühpädagogik an
  • Lebenslange Fort- und Weiterbildungen gehören zum Beruf dazu
  • Besonders gefragt sind Mitarbeiter/innen im Krippenbereich, Erzieher/innen mit bilingualer Ausrichtung, besonders deutsch/englisch, und Männer
  • Die Zahl der Arbeitsplätze steigt kontinuierlich mit dem Bedarf

Wie kann ich schon jetzt einen Einblick in diesen Beruf erhalten?

Kaufhäuser, Möbelhäuser, Sportvereine und Fitnessstudios bieten stundenweise Kinderbetreuung für die Kinder ihrer Kunden an. Beobachten Sie hier das Treiben eine Weile. Oft wird in der Hauptsaison Unterstützung durch Schüler/innen gesucht.

Auch ein Job als Babysitter in der Nachbarschaft, als Nachhilfelehrer/in oder im örtlichen Sportverein bei der Betreuung von Jugendfreizeiten kann einem schnell gute Einblicke verschaffen. Kinderhorte suchen oft Betreuer/innen für den pädagogischen Mittagstisch und die Hausaufgabenhilfe. Hier kann man hospitieren.

Viele Kindergärten bieten Praktikumsplätze. Fragen Sie in den Kindergärten vor Ort nach, auch in Ihrem ehemaligen Kindergarten! Vielleicht können Sie hier während der Schulferien ein Praktikum absolvieren.

Besonders gern gesehen sind die in diesem Beruf nach wie vor raren Jungs: am "Boys-Day" jedes Jahr im Mai können sie für einen Tag in den Alltag einer Kindertageseinrichtung schnuppern.

An Fachschulen und Berufsakademien gibt es Schnuppertage, hier kann man kostenlos für einen oder mehrere Tage am Unterricht teilnehmen.

Stand: Oktober 2008