Erzieher/in - Jugend- und Heimerziehung

Was macht ein/e Erzieher/in - Jugend- und Heimerziehung?

Erzieher/innen für Jugend und Heimerziehung betreuen Kinder und Jugendliche in familienergänzenden bzw. familienersetzenden Einrichtungen. Hier sind sie für die umfassende Versorgung und pädagogische Förderung von Kindern und Jugendlichen zuständig. Für die Kinder und Jugendlichen nehmen sie soweit wie möglich die Elternstelle ein und sind damit wichtige Bezugspersonen. Sie kümmern sich um die schulische oder berufliche Entwicklung ebenso wie um die persönliche Entfaltung, sorgen für Essen, Bekleidung, Körperpflege und regen zu Freizeitbeschäftigungen an oder organisieren Ferienaufenthalte.

Zu den Hauptaufgaben eines/r Erziehers/in für Jugend- und Heimerziehung gehören:

  • Verhalten und Befinden der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen beobachten, analysieren, beurteilen und geeignete Maßnahmen auswählen
  • Langfristige Erziehungspläne und Erziehungsziele erstellen
  • Tages- und Wochenabläufe vorbereiten und begleiten
  • Materialien für Alltag, Essen, Lernen, Spielen, Sport und Freizeit beschaffen
  • Feste, zum Bsp. Geburtstage, Ausflüge, Veranstaltungen, Reisen organisieren
  • Erzieherische und förderpädagogische Maßnahmen: Spiele, Bewegung, Konzentrationsübungen, Hausaufgabenbetreuung, Sport und Musik
  • Musisch-künstlerische Förderung, zum Beispiel mit Farbe, Werkstoffen etc. und gemeinsames Singen und Musizieren
  • Lern- und soziale Prozesse fördern durch Bewegung, Sport, Naturerfahrung, Kochen, Backen, Gartenarbeit, Rollenspiele, Vorlesen, Sprach-Spiele, Werken, Entspannungstechniken wie Yoga etc.
  • Übergänge ins Berufsleben vorbereiten und individuell begleiten
  • In Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen: Hilfs- und Pflegemittel zusammenstellen/reinigen, bei der Körperpflege unterstützen, Hilfe beim An-und Ausziehen
  • Trösten und Zuhören, Gespräche führen
  • Kinder und Jugendliche in Konfliktsituationen unterstützen
  • Informationsgespräche mit Eltern und Angehörigen führen
  • Zusammenarbeit mit Jugendämtern, sozialen Diensten, Logopäden, Ergotherapeuten, Psychologen, Kinderärzten etc.
  • Dokumentation der Einzelfallentwicklungen und Gutachten erstellen
  • Hilfskräfte, ehrenamtliche Mitarbeiter und Praktikanten anleiten

Wo arbeitet ein/e Erzieher/in - Jugend- und Heimerziehung?

  • Kinder-, Jugendwohn- und Erziehungsheime
  • Jugend- und Familienberatungsstellen
  • Jugendzentren und Kinderhorte
  • Tagesstätten und Wohngruppen für Menschen mit Beeinträchtigungen
  • Internate, Sonder- oder Gesamtschulen im Bereich pädagogische Freizeitbetreuung

Wie werde ich Erzieher/in - Jugend- und Heimerziehung?

Beim Ausbildungsgang Erzieher/in für Jugend- und Heimerziehung handelt es sich um eine landesrechtlich geregelte schulische Fort- bzw. Ausbildung an Fachschulen, Berufsfachschulen und anderen Bildungseinrichtungen.

Die Aus- bzw. Weiterbildung dauert 2 bis 3 Jahre, davon sind 2 Jahre schulische Vollzeitausbildung und 1 Jahr bezahltes Berufspraktikum. In der berufsbegleitenden Teilzeitform ist die theoretische Ausbildung in mehreren Blöcken über die dann 3-jährige Ausbildungszeit verteilt. Zum Teil können Zusatzqualifikationen erworben werden.

Für die Weiterbildung wird eine abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung oder eine mindestens 1-jährige geeignete praktische Tätigkeit in Einrichtungen und Diensten des Sozial- und Gesundheitswesens vorausgesetzt bzw. 4 Jahre Berufserfahrung in anderen einschlägigen Tätigkeiten.

Mindestvoraussetzung an allen Schulen ist ein mittlerer Bildungsabschluss.

Die Schulen führen Auswahlverfahren mit schriftlicher Bewerbung und einem persönlichen Gespräch durch. Art und Umfang der beruflichen Vorpraxis sowie bereits geleistete Praktika spielen dabei eine große Rolle, auch schulische Leistungen. Außerdem müssen die Voraussetzungen laut Infektionsschutzgesetz erfüllt sein.

Nach der Ausbildung gibt es sehr viele Qualifizierungslehrgänge, zum Beispiel in den Bereichen Musik, Kunst, Theater, Sport und Freizeit, oder im Bereich Beratung. Die ständige Weiterbildung wird von vielen Arbeitgebern vorausgesetzt.

Aufstiegsweiterbildungen gibt es zum/r Fachwirt/in für Erziehungswesen oder zum/r Fachlehrer/in (staatlich geprüft) an Sonderschulen.

Auch ein Hochschulstudium im pädagogischen Bereich, zum Beispiel als Sozialarbeiter/in oder Heilpädagoge/in, ist möglich - die Studienangebote nehmen mit dem Bedarf ständig zu. Ohne Abitur muss dieses dann meistens auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt werden.

Was verdient ein/e Erzieher/in - Jugend und Heimerziehung?

  • Angestellt: monatliches tarifliches Bruttoentgelt 2.072 - 2.866 €

Trends und voraussichtliche Entwicklungen am Arbeitsmarkt:

Gute Aussichten

  • Der Bestand an Stellen ist seit 2000 um ein Viertel gestiegen, die Arbeitslosenzahlen bei den Sozial- und Heilpädagogen sind seit Jahren niedrig
  • Ganztagsschulen sind weitere neue Einsatzgebiete
  • Die Pisa-Studie zeigt die Lücken im Bildungssystem. Die Anforderungen sind enorm gestiegen, viele Jugendliche haben einen Migrationshintergrund, interkulturelle Kompetenzen sind gefragt - langfristig wird die Ausbildung mit einem akademischen Grad an (Fach)Hochschulen aufgewertet - so wie es in anderen Ländern lange schon üblich ist
  • Erzieher/innen für Jugend- und Heimerziehung müssen deshalb mit Veränderungen rechnen, Auslandspraktika gehören vielleicht schon bald dazu
  • Lebenslange Fort- und Weiterbildungen sind ebenfalls wichtig
  • Besonders gefragt sind Mitarbeiter/innen mit bilingualer und bikultureller Ausrichtung und männliche Erzieher, auch Kollegen mit Auslandserfahrung und interkulturellen Kompetenzen für Jugendliche mit Migrationshintergrund

Wie kann ich schon jetzt einen Einblick in diesen Beruf erhalten?

Eine Aufgabe oder ein Job im örtlichen Sportverein, bei den Jugendorganisationen von freiwilliger Feuerwehr, beim Katastrophenschutz von DRK oder THW oder bei der Kirche zur Betreuung von Jugendfreizeiten kann einem schnell gute Einblicke in der Jugendarbeit verschaffen.

Auch Jobs als Babysitter oder bei der Schülernachhilfe sind geeignet. Kinderhorte suchen oft Betreuer/innen für den pädagogischen Mittagstisch und die Hausaufgabenhilfe. Hier kann man hospitieren für einige Tage.

Viele Jugendeinrichtungen bieten Praktikumsplätze. Fragen Sie vor Ort nach, auch in Ihrem Sportverein oder bei Ihrer Kirchengemeinde bzw. deren sozialen Diensten. Vielleicht können Sie hier während der Schulferien ein Praktikum absolvieren.

In der geschlossenen Heimerziehung ist ein Praktikum dagegen wegen der rechtlichen Situation schwierig.

Besonders gern gesehen sind die in diesem Beruf Jungs: am "Boys-Day" jedes Jahr im Mai können sie für einen Tag in den Alltag einer Heimeinrichtung schnuppern.

Stand: Oktober 2008