Ergotherapeut/in

Was macht ein/e Ergotherapeut/in?

Ergotherapeuten/innen unterstützen und fördern Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren, die im Durchführen alltäglicher Handlungen, eingeschränkt sind. Durch ihre Arbeit aktivieren und motivieren sie die Patienten, ihre motorischen, psychischen und sozialen Fähigkeiten zu trainieren bzw. zu erhalten, weiterzuentwickeln oder zum Beispiel nach einem Unfall, einer Krankheit oder Operation wieder herzustellen.

Ihre Arbeit verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Aktivität jeder Form wirkt sich positiv auf die körperliche und geistige Gesundheit eines Menschen aus. Zum Beispiel werden auch Kinder mit Lernschwächen von ihnen behandelt. Die Methoden sind vielfältig, von Musik über Tanz bis Werken und Gestaltung oder Gleichgewichtsübungen reicht das Repertoire .

Ergotherapeuten/innen brauchen viel Einfühlungsvermögen, Geduld und Ausdauer. Schnelle Erfolge sind selten, oftmals arbeiten sie über Jahre mit ihren Patienten zusammen. Psychologisches Basiswissen gehört dazu.

Zu den Hauptaufgaben eines/r Ergotherapeuten gehören:

  • Patienten übernehmen und anleiten
  • Abstimmung mit Ärzten, Physiotherapeuten, Pflegefachkräften
  • Behandlungsplan festlegen und Beschäftigungstherapie danach gestalten
  • Zum Beispiel den Umgang mit Hilfsmitteln wie Prothesen trainieren, Gelenkmobilisation, Muskeltraining, Koordinationstraining, Konzentrationstraining etc.
  • Beschäftigungsmittel, Werkzeuge, Geräte, wie zum Beispiel Malsachen, auswählen, einsetzen und anleiten
  • Grundlegende Fähigkeiten wie Essen, Waschen, Einkaufen, Schreiben nach Behandlungsplan trainieren
  • Angehörige und das Umfeld des Patienten in die Therapie mit einbeziehen
  • Patienten auf die berufliche Wiedereingliederung vorbereiten

Wo arbeitet ein/e Ergotherapeut/in?

  • Krankenhäuser, Rehabilitationskliniken, Gesundheitszentren
  • Praxen für Ergotherapie
  • Altenheime, Tagesheime, Wohnheime für Menschen mit Beeinträchtigungen
  • Sonderschulen
  • Frühförderzentren
  • Selbständig mit eigener Praxis

Wie werde ich Ergotherapeut/in?

Ergotherapeut/in ist eine bundesweit einheitlich geregelte schulische Ausbildung an Berufsfachschulen oder bei privaten Bildungsträgern. Einige Bundesländer haben jedoch eine eigene Ausbildungsverordnung. Die Ausbildung dauert 3 Jahre.

Daneben besteht die Möglichkeit, Ergotherapie an Fachhochschulen zu studieren, teilweise auch in Kombination mit der Berufsfachschulausbildung.

Vorausgesetzt wird mindestens ein mittlerer Bildungsabschluss, für das Studium die Fachhochschulreife. Teilweise muss vor der Ausbildung die gesundheitliche Eignung und ein ärztliches Attest vorgelegt werden.

Schüler/innen mit Hauptschulabschluss werden aufgenommen, wenn diese über eine abgeschlossene Berufsausbildung von mindestens 2 Jahren verfügen.

Manche Bildungsträger begrenzen den Zugang durch ein Auswahlverfahren mit Eignungstest und einem persönlichen Gespräch. Wenn alle Bewerber/innen bestehen, entscheidet dann das Losverfahren. Zum Teil wird empfohlen, vorab ein Praktikum zu absolvieren.

Nach der Ausbildung gibt es viele Qualifizierungslehrgänge wie Elternberatung oder Rehabilitation, Musik, Behindertensport, Atemtherapie, Entspannungstherapie etc.

Eine Aufstiegsweiterbildung zum/r Fachwirt/in für Gesundheitswesen ist ebenfalls möglich. Außerdem kann das Fach oder ähnliche Fächer wie Physiotherapie, Heilpädagogik oder Sozialpädagogik an einer Fachhochschule oder Hochschule studiert werden. Bewerber/innen ohne Abitur müssen dieses dann meistens auf dem zweiten Bildungsweg nachholen.

Was verdient ein/e Ergotherapeut/in?

  • Angestellt: tarifliches monatliches Bruttogrundgehalt für das Tarifgebiet West, Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) 2.175 - 2.407 €

Trends und voraussichtliche Entwicklungen am Arbeitsmarkt:

Gute Aussichten

  • Seit 2000 wurden in den medizinischen Berufen (Ergotherapeuten, Logopäden, Bewegungstherapeuten etc.) rund 35.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, Tendenz steigend
  • Neu ist das Fall-Management (Case-Management), ein ganzheitliches Versorgungskonzept, das die einzelnen Angebote im Gesundheitswesen besser abstimmt - Kompetenzen im Bereich Kommunikation und Koordination werden deshalb wichtiger - mit entsprechender Weiterbildung ein Tätigkeitsfeld für Ergotherapeuten/innen
  • Interkulturelles Wissen ist gefragt, denn immer mehr Patienten haben einen Migrationshintergrund - hier muss man mit kultureller Sensibilität auf die Bedürfnisse der Patienten, ihre Bräuche, Sitten und Rituale eingehen können
  • Gesundheitsvorsorge und Rehabilitation sind wichtige Voraussetzungen für ein langes und erfolgreiches Berufsleben bzw. den Berufsstart - die Krankenkassen fördern viele Maßnahmen
  • Ein neuer Trend: Gartentherapie - Senioren- und Behindertenheime haben diese bereits in ihren Behandlungsplan mit aufgenommen. Der Umgang mit Blumen und Pflanzen regt die Sinne an und fördert soziale Aktivitäten - hier werden schon Weiterbildungen für Ergotherapeuten/innen angeboten
  • Im Mai 2008 ist die Altersuntergrenze für die nichtärztlichen Gesundheitsberufe weggefallen, die Ausbildung kann direkt an die Schulzeit anschließen

Wie kann ich schon jetzt einen Einblick in diesen Beruf erhalten?

Die Behandlungen sind sensible Einheiten, Gäste stören hier meistens. Deshalb sind kurze und knappe Einblicke schwierig. Nutzen Sie eine Praxiseröffnung (Anzeigen in der lokalen Zeitung beachten!) oder einen Tag der offenen Tür. Diese werden im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit ca. 1 mal im Jahr angeboten.

Der Verband der Ergotherapeuten gibt weitere Informationen: www.dve.info

Oder Sie informieren sich unter www.ergotherapie.de bzw. www.ergotherapeuten-online.de

Fragen Sie in einem Gesundheitszentrum oder einer Gemeinschaftspraxis trotzdem nach Praktikumsmöglichkeiten oder der Möglichkeit, zu hospitieren. Ergotherapeuten/innen sind sehr aufgeschlossen und unterstützen gerne Jugendliche, die es mit ihrem Berufswunsch ernst meinen.

Ergotherapeuten/innen behandeln häufig ihre ganz jungen Patienten direkt in den Kindergärten oder Kindertageseinrichtungen. Hier ergibt sich vielleicht eher die Möglichkeit, zu hospitieren. Nehmen Sie kontakt mit Ihrem ehemaligen Kindergarten auf.

Stand: Oktober 2008